Der Monat Ramadan: Rituale, Unterschiede und die Pracht der Hingabe
Der heilige Monat Ramadan, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, wird unter Muslimen als „Monat der Gastfreundschaft Gottes“ bezeichnet. Der Beginn dieses Monats hängt von der Sichtung der Mondsichel am Ende des 29. Schaban ab. Wird der Neumond gesichtet, beginnt der Ramadan; andernfalls wird der Schaban auf 30 Tage vervollständigt, woraufhin der Fastenmonat definitiv beginnt.
1. Bräuche des Fastens, Koranrezitation und Spiritualität
In diesem Monat verzichten Muslime von der Morgendämmerung (Adhan al-Fajr) bis zum Sonnenuntergang (Adhan al-Maghrib) auf Essen und Trinken. Das Fasten beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Verzicht auf Nahrung; das Fernhalten von Sünden gehört zu den moralischen Pflichten, um die Seele zu reinigen. Nach islamischem Glauben sind in diesem Monat die Tore der göttlichen Barmherzigkeit geöffnet, und es wird geglaubt, dass der Teufel in Ketten liegt. Dies bedeutet, dass die Voraussetzungen für die Abkehr von Fehlern und die Chance auf Reue und Selbstverbesserung größer sind als je zuvor. Zudem wird der Ramadan als „Frühling des Korans“ bezeichnet, und die Rezitation der heiligen Schrift hat in diesen Tagen einen besonderen Stellenwert.
2. Unterschiede beim Morgengebet und dem Beginn des Fastens (Imsak)
Ein rechtlicher Unterschied im Alltag betrifft den Zeitpunkt der Ankündigung des Morgengebets und des Fastenbeginns:
- Schiitische Sicht: Sie legen den Moment der „wahren Morgendämmerung“ (Fajr Sadiq) als Basis für das Gebet fest. Im schiitischen Recht fällt der Gebetsruf mit dem Beginn des Fastens zusammen, wobei zur Sicherheit oft einige Minuten früher mit dem Essen aufgehört wird.
- Sunnitische Sicht: In einigen sunnitischen Rechtsschulen gibt es einen Unterschied zwischen der Zeit des „Scharia-Imsak“ (Fastenbeginn) und dem Gebetsruf. Es gilt als empfehlenswert, das Morgengebet erst zu verrichten, wenn es etwas heller geworden ist (Isfar); daher ertönt ihr Adhan oft mit zeitlichem Abstand zum Beginn der Morgendämmerung.
3. Zeitpunkt des Iftar und Sonnenuntergang
- Sunniten: Das Kriterium ist das vollständige Verschwinden der Sonnenscheibe am Horizont. In diesem Moment brechen sie das Fasten.
- Schiiten: Sie sind der Ansicht, dass man warten muss, bis die Rötung des Osthimmels (Humra al-Maschriqiya), die nach Sonnenuntergang erscheint, verschwunden ist, bevor das Fasten gebrochen wird.
4. Nachtgebete und ihre Durchführung
Sunniten (Taraweeh): Sie verrichten das Taraweeh-Gebet, das üblicherweise 20 Rakah umfasst, gemeinschaftlich in der Moschee. Sunniten glauben, dass der Prophet (s.a.w.s.) dieses Gebet ursprünglich einzeln verrichtete. Unter dem zweiten Kalifen Umar ibn al-Khattab wurden die Gläubigen jedoch unter einem Imam vereint, um Ordnung und Einheit zu schaffen. Dies wird als „gute Tradition“ (Sunna Hasana) betrachtet.
Schiiten: Sie sehen insgesamt 1000 Rakah als empfohlene Gebete für diesen Monat vor, verrichten diese jedoch – im Gegensatz zu den Sunniten – ausschliesslich einzeln. Nach schiitischer Rechtswissenschaft sollen freiwillige Gebete privat verbleiben, um die Aufrichtigkeit der Verbindung zwischen dem Gläubigen und Gott zu bewahren.
5. Die Nächte der Bestimmung (Laylat al-Qadr) und Trauertage
- Sunniten: Sie konzentrieren sich auf die letzten 10 Nächte des Ramadan (insbesondere die 27. Nacht) und verbringen diese mit Gottesdienst.
- Schiiten: Sie begehen die 19., 21. und 23. Nacht des Ramadan als Nächte der Bestimmung. Diese sind zudem mit der Trauer um das Martyrium von Imam Ali (a.s.) verbunden.
6. Eid al-Fitr und die Zakat al-Fitr
Das Ende des Ramadan wird durch die Sichtung des Neumondes des Folgemonats Schawwal bestimmt, was das Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr) markiert. Unterschiede bei der Bekanntgabe des Festtages ergeben sich oft aus den Kriterien der Mondplanung (z. B. die Notwendigkeit der Sichtung mit bloßem Auge) und geografischen Unterschieden. An diesem Tag zahlen Muslime zudem die Zakat al-Fitr, eine Abgabe zur Unterstützung der Bedürftigen.
Schlusswort:
In diesem gesegneten Monat bitten wir alle Fastenden um ihr Gebet. Lasst uns in den lichterfüllten Momenten von Suhoor (Mahlzeit vor der Dämmerung) und Iftar für Frieden, Freundschaft und Versöhnung unter allen Muslimen und Menschen weltweit beten. Wir wünschen allen Kranken eine baldige Genesung und vollkommene Gesundheit. Ebenso beten wir für alle, die um einen geliebten Menschen trauern; möge Gott ihnen Geduld und Frieden schenken und die Welt durch das Erscheinen von Gerechtigkeit von Unterdrückern befreien.