Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen
„Und seid nicht wie jene, die Gott vergaßen, worauf Er sie sich selbst vergessen ließ.“ (Sure Al-Haschr, Vers 19)
Dieser heilige Vers ist die präziseste Diagnose allen menschlichen Verfalls und die eigentliche Wurzel jener Zerstörungskraft, die den zeitgenössischen Menschen gefangen hält. Wer seinen Schöpfer vergisst, verliert unweigerlich das Bewusstsein für seine eigene Sterblichkeit und seine Rolle als flüchtiger Gast in dieser Welt; in der Illusion der Ewigkeit vergeht er sich daraufhin an der Erde und an seinen Mitmenschen. Das größte Paradoxon der menschlichen Existenz liegt darin, dass ein für die Ewigkeit geschaffenes Wesen sich so sehr in den Fesseln der Vergänglichkeit verfängt, dass es bereit ist, das ganze Haus wegen der Farbe eines Vorhangs, der ihm nicht gehört, in Brand zu stecken. Die heutige Menschheit leidet an einer tiefen Selbstvergessenheit; man kämpft verbissen um Besitztümer, Ländereien und Positionen, die einem nicht zustehen, und greift andere gnadenlos mit den Waffen der Unvernunft, der Verleumdung, der Lüge und des Charaktermords an, als würde man niemals den Tod kosten. Dabei ist die Lüge die größte Plage des Lebens, denn der Lügner trennt seine Verbindung zur Wahrheit des Seins, noch bevor er andere täuscht. Wer für einen geringen Vorteil oder den Raub einer Position die Ehre eines anderen verletzt, entfacht ein Feuer, das den gemeinsamen Lebensraum in eine Hölle aus Groll und Verderben verwandelt. Der Koran warnt ausdrücklich davor, dass dieses Unheil über Land und Meer nur das Spiegelbild der selbstsüchtigen Taten des Menschen ist; verlässt der Mensch den Kreis der Hingabe, führt er nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Ordnung der Erde ins Verderben und opfert die Natur seiner Gier. Das menschliche Dasein gleicht einem Reisenden, der in einer flüchtigen Herberge verweilt und sich im Wahn der Aneignung verliert, anstatt die Reise zu genießen, während die Suren At-Takathur und Al-Humaza mahnen, dass diese Gier den Menschen bis zum Eintritt ins Grab blind macht. Die Geschichte ist der Spiegel dieser Wahrheit: Persönlichkeiten wie Nasir Chosrau oder Fudail ibn Iyad erkannten auf dem Gipfel ihrer Macht, dass der Streit um das Vergängliche reiner Ruin ist. Sie lernten, dass die Pathologie des Egozentrismus nur durch die Rückkehr zum Selbst geheilt werden kann. Die Heilung für diesen kollektiven Wahnsinn liegt allein in der Rückkehr zur Friedfertigkeit, zur Wahrhaftigkeit und zur Annahme unserer Rolle als Treuhänder. Friedfertigkeit ist keine Schwäche, sondern der Gipfel der Weisheit dessen, der weiß, dass die Zeit der Reise kurz ist. Die Erde wird erst dann aus ihrer Qual befreit, wenn der Mensch begreift, dass er nicht ihr Herr, sondern ihr Hüter ist. Das Gedenken an den Tod dient im koranischen Sinne einem reinen Leben und dem Aufbau der Welt ohne Anhaftung, damit wir statt Zerstörung die Saat der Güte säen und mit einem reinen Herzen der Wahrheit begegnen; denn wie der Mystiker Attar sagte: „Wenn die Stunde des Todes schlägt, trittst du ohne Zweifel mit leeren Taschen aus beidem heraus.“